Das Thema „Familienbewusste Unternehmensführung“ diskutierten die Frauen gemeinsam mit Ruth Baumann, Präsidentin der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, Sylvia Schubnel, Assistentin des Geschäftsführers der Firma Hellma Analytics, Elsa Moser von der Arbeitsagentur Freiburg und Ellen Biesenbach, Leiterin der Stabsstelle Familienservice an der Universität Freiburg.
Bezirksvorsitzende Birgit Veith
Kreisvorsitzende Priska Seiler, Dr. Gabriele Moser

v.l. Sylvia Schubnel, Ruth Baumann, Anja Obermann, Elsa Moser
Dr. Gabriele Moser führte mit einigen Worten in die Fachvorträge ein.
Ellen Biesenbach stellte das Konzept der Universität Freiburg vor, wie dort ein familienfreundliches Umfeld umgesetzt werde. „Der Beruf und die Familie sollten miteinander vereinbar sein, weil es zum einen selbstverständlich ist, zu arbeiten, jedoch auch selbstverständlich ist, eine Familie zu haben“, so Biesenbach. „Wir steigern durch unsere familienfreundlichen Angebote unsere eigene Attraktivität für qualifiziertes Personal.“ Aus diesem Grund habe die Uni eigens eine Anlaufstelle, den Familienservice, für die Belange der Familien eingerichtet. Zudem gibt es drei Kindertagesstätten für Mitarbeiterkinder, eine Ferienbetreuung wird angeboten, eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, unter anderem mit Gleitzeit wurde eingeführt, und es besteht das Angebot der Heim- und Telearbeit. „Vor allem Wissenschaftlerinnen befinden sich sehr lange in einer Qualifizierungsphase mit befristeten Arbeitsverträgen und können staatliche Regelungen wie die Elternzeit gar nicht nutzen“, so Biesenbach, „zudem ist die Forschung sehr schnelllebig. Es ist ausgeschlossen, dass man nach einigen Jahren einfach wieder einsteigt. Man muss immer am Ball bleiben.“ Aus diesem Grund sei dieses Angebot besonders für qualifiziertes Personal aus der Wissenschaft enorm wichtig. Auch Sylvia Schubnel von Hellma Analytics stellte vor, wie ihre Firma Familienfreundlichkeit umsetzte, zum Beispiel mit einer eigenen Kindertagesstätte. Ruth Baumann von den Handwerkerfrauen jedoch setzte andere Schwerpunkte. „Wir haben sehr kleine, aber auch schon sehr alte Unternehmen“, erklärte sie, „bei uns kommt es jedoch auf jeden Mann an. Bei uns kann die Arbeit nicht einfach von jemand anderem übernommen werden. Familienfreundlichkeit in einem kleinen Betrieb bedeutet, dass wir dafür sorgen, dass die Kinder eine Hausaufgabenbetreuung bekommen, einen Kindergartenplatz haben oder dass der Arbeitnehmer bei einem Todesfall selbstverständlich für die Beerdigung frei bekommt.“ Sie warnte jedoch vehement vor irgendwelchen Vorschriften. „Auf dem Markt fragt niemand, ob meine Ware familienfreundlich hergestellt wird, sondern da bekommt der billigste Jakob den Auftrag“, so Baumann. „Was umgesetzt werden kann, wird von uns gemacht, aber weitere Vorschriften erschweren uns nur das Leben“. Außerdem forderte sie einen starken Bürokratieabbau. „Die gut gemeinte Betriebsrente, die wir eingeführt haben, hat sich als enormer Bürokratiewust hervorgetan“, erklärte sie. Elsa Moser von der Arbeitsagentur für Arbeit stellte dar, dass es in Deutschland einen entscheidenden Rückgang der Erwerbstätigen gebe, dieser jedoch dadurch gedeckt werden könnte, wenn die Frauen mehr arbeiten würden. Jedoch arbeiteten die meisten Frauen nur Teilzeit, was durch bessere Betreuungsangebote zu ändern wäre. In der Podiumsdiskussion kam aus dem Publikum die Forderung, dass das wichtigste sei, dass die Frau die Wahlfreiheit behalte, ob sie ihre Kinder zuhause betreuen möchte oder arbeiten gehen will. Weiterhin wurde betont, dass Familienfreundlichkeit nicht nur eine Sache der Frauen und Kinder sei, sondern vor allem auch der Pflege. Jedoch sei das etwas anderes, so Biesenbach. „Wir werden keine Seniorenheime bauen“, erklärte sie. Es bestünde an der Universität aber ebenfalls eine Anlaufstelle für Fragen und Sorgen von pflegenden Mitarbeitern.
SIna-Maria Gund